Projektbeschreibung Ausbildung in Vietnam
WIAP KFKOK Internationales Bildungsprogramm
Ziel: Berufsschullehrer in der Praxis zu schulen, damit diese wiederum andere Lehrer ausbilden können.

Lehrer beim Drehen Student beim Schaben Gemeinsames Essen mit Lehrern und Studenten
INHALTSVERZEICHNIS: Seite:
1. Vorwort 2
2. Abgeschlossenes Projekt Schritt 1 in Vietnam 2 - 4
3. Nach erfolgtem Projektschritt 1, kommt nun der 2. Schritt 4 - 5
4. 2 kleine Beispiele aus Vietnam 5
5. Einige finanzielle Eckdaten für unser Bildungspersonal 6
6. Nötige Investitionen für den Schritt 2 6
7. Schlusswort 7


Beispiele selbst erstellter Bildungsunterlagen.
Projektbeschreibung Ausbildung in Vietnam
WIAP KFKOK Internationales Bildungsprogramm
Ziel: Berufsschullehrer in der Praxis zu schulen, damit diese wiederum andere Lehrer ausbilden können.
1. Vorwort:
Der Verein KFKOK (gegr. 2005) in Safenwil hat unter anderem auch Ausbildung in den Statuten. Bis im Sommer 2010 haben wir im Verein KFKOK insgesamt 8 Lehrlinge (4 Elektropraktiker, 2 Büroassistenten und 2 Metallarbeiter) ausgebildet. 2 der Lehrlinge kamen vom Wendepunkt, 2 weitere von der Stollenwerkstatt und 3 hatten zuvor die erste Lehrstelle verloren; einer der Lehrlinge war unser jüngster Sohn. Alle konnten den Lehrberuf mit Erfolg abschliessen. Einige Jahre zuvor hatten wir 2 Lehrlinge (Mechpraktiker und Metallarbeiter), plus unsere Tochter und unseren ältesten Sohn, welche beide ebenfalls Elektropraktiker bei uns lernten. Nebst der Ausbildung haben wir uns auch humanitär betätigt; es erfolgten grössere Hilfslieferungen in die Ukraine und auch nach Vietnam.
Anlässlich eines Projektes in Angola, wo wir in einer grösseren Firma Leute aus der unteren Mittelschicht schulen (seit 2006 bis auf Weiteres) und auch Erwachsenenbildung mit Zertifizierung durchführen, stellten wir fest, dass man mit einem für die jeweiligen Fähigkeiten ausgedachten Bildungsprogramm, einfacher und besser schulen kann. Mit einigen von ihnen werden wir in den nächsten Monaten Lehrabschlussprüfungen nach dem Modell Schweiz durchführen.
2. Abgeschlossenes Projekt Schritt 1 in Vietnam:
2007 kam eine Delegation einer vietnamesischen Berufsschule der Gewerkschaft, zu uns in die Schweiz. Mit ihnen haben wir diverse Firmen und Berufsschulen in der Schweiz besucht. Daraufhin kamen 4 Lehrer dieser Schule zu uns für 1 Monat in die Ausbildung nach Safenwil. Die Gäste konnten aufgrund unserer Einladung zu unseren Lasten (ausgenommen Flugtickets) zu uns kommen.
In den folgenden Jahren waren wir oft in dieser Schule in Vietnam und haben die Lehrer weiter vor Ort ausgebildet.
Im November 2010 haben wir mit der ersten eigenen Lehrwerkstatt in Vietnam begonnen und im Januar 2011 eröffnet. Sie ist in den Räumlichkeiten einer Berufsschule des Agrarministeriums nähe HCMC Saigon, ca. 38 Km entfernt, in der Provinz Dong Nai.
Eingerichtet wurde alles mit unseren Maschinen und unserem Inventar aus der Schweiz. Somit ist eine gute, praktische Ausbildung möglich.
In allen Berufsschulen, die wir bis heute in Vietnam besucht haben, sieht man dieselben Probleme. Sie haben wohl gewisse Maschinen (zB. konvent. Drehmaschinen), aber es fehlt jegliches Zubehör, wie Futter oder Drehstähle. Ausserdem ist kein Rohmaterial vorhanden, welches sie bearbeiten könnten. Daher ist eine praktische Ausbildung in keiner Schule möglich.
Die Schule, in welcher wir integriert sind, hat heute 1500 Studenten aus ganz Vietnam. In unserer Lehrwerkstatt haben wir 25 Studenten und 4; resp. 5 Lehrer. Die meisten der Studenten kommen aus ärmlichen Verhältnissen; ihre Eltern sind klein Bauern, Fischer usw. Für auswärtige Studenten und auch Lehrer, gibt es in der Schule Unterkünfte.

Unsere Studenten und Lehrer; rechts Sven und Jim-Peter Widmer (2011)
Alle Studenten und Lehrer bekamen von uns Arbeitskleidung, Schutzschuhe, Schutzbrillen.
Der Wiederbeschaffungswert der Maschinen und Einrichtungen von uns liegt bei etwa 320000.- Wir kauften die Ware zusammen und bekamen aber auch viel Ware gespendet, wofür wir der Schweizer Industrie sehr dankbar sind, Danke.
Die Transportkosten für 4 Container mit dem Material aus der Schweiz beliefen sich auf ca. CHF 22‘000.-- plus Speditionskosten, Verzollung, Mehrwertsteuer von ca. 5‘000.--. In die Räumlichkeiten (2 x 500 m2) haben wir bis dato rund CHF 6000.-- investiert für die Isolation eines Unterdaches und eine Strasse für den Hallenteil 2, damit man mit dem Stapler oder Handwagen von einer Halle zur anderen kommt und nicht durch Gras fahren muss. Weiterhin stellen wir das Rohmaterial, wie Stahl, Farbe etc. zur Verfügung. Die Schulleitung bemüht sich sehr, uns zu unterstützen. Wobei ihre finanziellen Mittel mehr als beschränkt sind.
Ausgebildet werden die Studenten in Anlehnung an den Schweizer Beruf als Elektropraktiker. (Hier bedanken wir uns auch beim Kanton Aargau und dem Bund der uns auch mit guten Informationen unterstütze) Unsere Ausbildungsunterlagen erstellen wir mehrheitlich selber; bedingt durch die verschiedenen Sprachen, versuchen wir, möglichst viel visuell darzustellen. Die Hauptsprache ist deutsch übersetzt auf englisch und alles vorbereitet für die jeweiligen Landessprachen.
Beispiel:
Volumenberechnung 
Eigenerstellte Bildungsdokumente
Als einmalig in Vietnam, bezahlen wir unseren ersten jetzigen 25 Studenten ein Taschengeld. Das heisst:
Während der ersten 3 Monate erhalten sie 200‘000 Dong; das sind umgerechnet CHF 9.--/montl.; danach erhalten sie 450‘000 Dong = CHF 19.--. Im 2. Lehrjahr pro Monat 650‘000 Dong = CHF 27.-- und im dritten Lehrjahr 950‘000 Dong = CHF 37.-- pro Monat. Das tönt für unsere Verhältnisse nicht nach viel, aber in Vietnam entsprechen die CHF 37.-- etwa einem halben Monatslohn von einem durchschnittlichen Lohn.
Viele Fotos und Berichte zum Projektschritt 1 sind auf unserer Webseite zu finden: http://wiap.ch/Ausblidung%202009_2/VietnamSchule3/wiap_kfkok_projekt_vietnam_star.htm
3. Nach erfolgtem Projektschritt 1, kommt nun der 2. Schritt:
Die Nachfrage nach einem Lehrplatz in unserer Lehrwerkstatt in Vietnam ist enorm gross. Der Toreingang der Schule ist beschriftet mit unserer Adresse in Safenwil, deswegen haben wir uns zugesagt , ab Sommer 2011 weitere 25 Studenten aufzunehmen. (Die Schulleitung wollte ursprünglich 100 neue Studenten auf Sommer 2011.) Dies bedingt jedoch weitere Investitionen wie Unterkünfte und vor allem Rohmaterial für die Durchführung der praktischen Ausbildung. Ausserdem werden dazu auch mehr Lehrer notwendig und unsere Präsenzzeit vor Ort muss erhöht werden.
Wir planen auch, ab 2012 Lehrlinge aus der Schweiz in ein Praktikum nach Vietnam zu nehmen. Die Verständigung verschiedener Mentalitäten erachten wir, besonders für die junge Generation, als sehr wichtig. Dies fördert den Teamgeist und die Weitsicht.
In diesem Zusammenhang wird auch unser kleines Lager und Lehrwerkstatt (170 m2) in Safenwil so hergerichtet, dass man ab und zu Lehrer aus dem Ausland hier schulen kann. Was wir ja schon des öftern gemacht haben.
Wir sind uns bewusst, dass wir unser Bildungsprogramm in nur ganz kleinen Schritten durchführen können; allerdings wissen wir aber auch, das es sehr wichtig ist, wenn man solchen Ländern hilft, wenn es Ihnen besser geht, dass sie selber Eigenprodukte erzeugen können, dass die Leute zufriedener werden und die Armut reduziert werden kann, was dem Vereinsziel gemäss den Statuten des KFKOK entspricht.
Wenn man, wie wir nun, so nah an den Menschen in Vietnam ist, dann sehen wir ja auch viel. Das heisst, es fällt einem zwangsläufig auf, welche andere Ansichten es in der gesamten Ausbildung gibt. Dabei bräuchte es nicht viel, um dies auszugleichen. Oftmals arbeiten Menschen lebenslang im selben Beruf, ohne Ausbildung, aber auch ohne Auszeichnung oder Möglichkeit eines beruflichen Aufstieges.
Dasselbe gilt auch für Angola und andere für die ganze Welt wichtigen Schwellenländer.
4. Zwei kleine Beispiele:
- ein Fassadenmaler in Vietnam kennt keine Reinigung oder Vorbereitung vor dem Anstreichen und zum Farbe auftragen genügt ein alter Besen, allerdings ohne Borsten. Natürlich, es reicht – das Resultat ist nicht besonders toll, aber die Fassade hat eine neue Farbe, inkl. Muster vom darunterliegenden Schmutz und den Besenborsten. Niemand macht den Maler darauf aufmerksam, weil es ja niemand anders kennt.
- eine Reinigungsfrau in Vietnam kennt zum Beispiel keine Ecken; der Boden wird rund gereinigt. Warum? Weil es eben alle so machen.
Diese zwei kleinen Beispiele sind nicht abwertig gemeint, sondern sie sollen nur aufzeigen, dass doch eigentlich alle Menschen – egal ob Bäcker, Automechaniker oder eben unsere Reinigungsfrau, das Anrecht auf eine gewisse Grundausbildung haben. Es ist also nicht nur eine Ausbildung für die jungen Menschen gefragt, sondern eben auch ganz wichtig ist die Erwachsenenbildung. Diese können dann auch wieder helfen, junge Menschen auszubilden.
Wir werden vorläufig kurzfristig nur die Ausbildung übernehmen, von der wir selber etwas verstehen. Im Bereich Mechanik, Elektrik und Elektronik für Werkzeugmaschinen. Aber es gibt noch so viele andere Berufe die im selben System eingebunden werden müssen diese werden wir später auch integrieren.
5. Einige finanzielle Eckdaten für unser Bildungspersonal:
Flug Zürich – Saigon retour; ja nach Saison zwischen CHF 1400.-- und 1800.-- pro Person
1 Uebernachtung im Doppelzimmer: CHF 20.-- (ausserhalb Saigon)
Frühstück / Nachtessen pro Person: CHF 9.-- (in der Provinz; nicht in Saigon)
Taxi Hotel zur Schule und zurück: CHF 33.--
Taschengeld monatl. für Studenten im 2. Lehrjahr CHF 675.-- für 25 Studenten
Taschengeld monatl. für Studenten im 1. Lehrjahr CHF 475.-- für 25 Studenten
Rohmaterialkosten Lehrbetrieb im Monat etwa CHF 1500.-- bis CHF 2000.-- je nach Anzahl Studenten
Internetkosten monatlich CHF 15.--
Bewachungskosten Anteil monatlich CHF 100.--
Arbeitsunden in Vietnam von 0700 bis 1800 Lehrpersonal aus der Schweiz
Für ein 6 Wochen Trip.
Total 12.5 Std/Tag inkl. Reisezeit x 25CHF/Std. x 2 Personen x 6 Wochen= CHF 18‘750.--
Je nach Dauer unserer Aufenthalte kommt - trotz den nicht so teueren Einzelpositionen – ein recht hoher Ausgabebetrag zusammen. In der Regel sind 2 von uns zusammen vor Ort.
6. Vorgesehene Investitionen für den Schritt 2:
a) Ausbau Lehrpersonalunterkunft; beinhaltend 3 Räume mit total 8 Betten; 1 Aufenthaltsraum; Bad, Küche; Waschküche (Geräte praktisch alle schon vorhanden); 1 klimatisiertes Büro (bis dato keine Klimaanlage – Durchschnittstemp. 30 – 40°) CHF 25‘000.--
b) Ventilatoren für alle Ausbildungsräume CHF 3‘000.--
c) Installation diverser Krananlagen CHF 7‘500.--
d) Erweiterung des bestehenden Rohmateriallagers CHF 5‘000.--
e) Kostenbereitstellung für nächsten Container aus der Schweiz mit weiteren Maschinen und Betriebseinrichtungen; Lager, Fracht, Importgebühren CHF 7‘500.--
f) externe Bearbeitungskosten, wo wir die nötigen Maschinen nicht haben und auch nicht beschaffen werden, da sie zuwenig gebraucht werden CHF 6‘000.--
Total Investitionskosten Schritt 2: CHF 54‘000.--
Wir müssten vorsehen, unseren Lehrern eine monatliche Prämie von CHF 50.-- zu geben;
dh. 5 x 50.-- x 12 Monate = CHF 3‘000.-- pro Jahr.
7. Schlusswort:
Unser langfristiges Ziel wird sein, dass wir uns mit den Arbeiten in der Lehrwerkstatt selber finanzieren können, indem wir die Arbeiten / Produkte, vermarkten werden können. Wir denken an:
1/3 Eigenprodukte wie:
- Schuldrehmaschinen Maschine 70% fertig, 2 Maschine 25% fertig
- Schulfräsmaschinen Rohzeichnung fertig
- Schulkaruselldrehmaschine Rohzeichnung fertig
- Generatoren umstellbare 10/15/20 KVA ausgelegt für ideale minimaler Verbrauch bei Idealdrehzahl
- ca. 10 Kleinprojekte wie:
Demontierbare Lastenkräne für 500/1000/2000 kg ( 1 Kran in eigener Nutzung Nr. 2 und 3 in Herstellung
Stiftenzieher Set (schon 8 Set hergestellt)
Abziehstein Reinigungsset (schon 5 Set hergestellt)
Industrie und Hobby Reinigungsplatz (1. Anlage in eigener Nutzung)
2/3 Arbeiten für Dritte, wo aber die Bildung im Vordergrund steht, nicht der Produktionsdruck.
Diese Arbeiten sind wir am suchen - Link zu unserem Maschinenpark: PDF
Wie gesagt, unsere Schritte in unserem Bildungsprogramm sind limitiert, da wir unter anderem das meiste selber finanzieren. (Wir möchten uns hier aber auch bedanken, bei den Sponsoren KFKOK) Trotzdem sehen wir jeden Tag Fortschritte bei unseren 4 (5) Lehrer und unseren Studenten und das freut uns natürlich.
Es würde uns sehr freuen, wenn Sie unser Projekt unterstützen könnten und wir wieder von Ihnen hören.
Für weitere, auch persönliche Auskünfte, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Beste Grüsse Hanspeter Widmer & Iris Widmer Sven Widmer
Obersumpfstrasse 11 – 5745 Safenwil Switzerland Telefon +41 62 752 42 60
hanspeter@widmers.info iris@widmers.info sven@widmers.info www.wiap.ch